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Alternativen

Grundfähigkeitsversicherung

Versicherung, die eine Rente zahlt, wenn definierte körperliche oder geistige Grundfähigkeiten verloren gehen — unabhängig vom ausgeübten Beruf.

Die Grundfähigkeitsversicherung knüpft nicht an den Beruf an, sondern an einen Katalog von Fähigkeiten. Geht eine davon in dem im Vertrag beschriebenen Ausmaß verloren, wird eine monatliche Rente fällig. Ob jemand trotz des Verlusts weiterarbeiten kann, spielt keine Rolle. Diese Konstruktion macht die Prüfung im Leistungsfall überschaubarer als bei der Berufsunfähigkeitsversicherung, verschiebt aber den Preis auf eine andere Ebene: die Reichweite des Schutzes.

Der Fähigkeitenkatalog

Welche Fähigkeiten versichert sind, ergibt sich ausschließlich aus den Bedingungen. Verbreitet finden sich Sehen, Sprechen, Hören, der Gebrauch der Hände, Gehen, Treppensteigen, Knien und Bücken, Heben und Tragen, Sitzen, Stehen, das Autofahren sowie in vielen Tarifen die geistige Leistungsfähigkeit. Manche Anbieter nehmen berufsnahe Fähigkeiten wie Tastaturnutzung, Bildschirmarbeit oder das Führen bestimmter Fahrzeuge auf.

Entscheidend ist nicht die Überschrift, sondern die Definition darunter. "Gehen" ist in einem Tarif der Verlust der Fähigkeit, ohne fremde Hilfe eine bestimmte Strecke zurückzulegen, in einem anderen an die Nutzung von Hilfsmitteln oder an eine Zeitangabe geknüpft. Beim Heben und Tragen stehen konkrete Gewichtsangaben im Text. Diese Schwellen bestimmen, wann überhaupt geleistet wird, und sie sind der eigentliche Vergleichsmaßstab zwischen Tarifen.

Zusätzlich verlangen die Bedingungen in der Regel, dass der Verlust voraussichtlich dauerhaft ist — häufig mit einer Prognose von sechs oder zwölf Monaten. Ein vorübergehender Ausfall löst keine Leistung aus.

Wo die Deckungslücke zur Berufsunfähigkeit liegt

Der wesentliche Unterschied: Die Berufsunfähigkeitsversicherung fragt, ob die zuletzt ausgeübte Tätigkeit zu mindestens 50 Prozent nicht mehr möglich ist. Sie erfasst damit jede Ursache, die zu dieser Einschränkung führt. Die Grundfähigkeitsversicherung erfasst nur das, was im Katalog steht.

Daraus folgt eine erhebliche Lücke. Psychische Erkrankungen — Depressionen, Angst- und Belastungsstörungen — führen nur selten zum Verlust einer katalogisierten körperlichen Fähigkeit. Sie zählen in der Leistungsstatistik der Berufsunfähigkeitsversicherung zu den häufigsten Ursachen. Tarife, die geistige Leistungsfähigkeit einschließen, definieren diese meist über schwere kognitive Einbußen wie Demenz oder Folgen einer Hirnschädigung, nicht über affektive Störungen. Wer ausschließlich über eine Grundfähigkeitsversicherung abgesichert ist, hat in diesem Bereich in aller Regel keinen Schutz.

Ebenso wenig erfasst sind Einschränkungen, die zwar den Beruf unmöglich machen, aber keine Grundfähigkeit betreffen: ein Musiker mit Fokaldystonie, eine Chirurgin mit Tremor, ein Redner nach einer Stimmbanderkrankung — je nach Tarif und Definition kann hier eine Leistung ausbleiben, obwohl der Beruf faktisch beendet ist. Umgekehrt zahlt die Grundfähigkeitsversicherung auch dann, wenn jemand trotz Verlust der Fähigkeit im Beruf bleibt, etwa nach Umorganisation des Arbeitsplatzes.

Preis, Zielgruppen und Annahme

Weil das versicherte Risiko enger gefasst ist, liegen die Beiträge meist unter denen einer Berufsunfähigkeitsversicherung, besonders für körperlich tätige Berufe. Die Risikoprüfung fällt bei vielen Anbietern weniger umfangreich aus, was Zugang schaffen kann, wenn eine Berufsunfähigkeitsversicherung wegen Vorerkrankungen nur mit Ausschluss, mit Zuschlag oder gar nicht zustande kommt. Die üblichen Regeln zur vorvertraglichen Anzeigepflicht nach §§ 19 bis 22 VVG gelten dabei unverändert.

Die Grundfähigkeitsversicherung wird häufig als Ergänzung oder als Ausweichlösung eingesetzt, nicht als gleichwertiger Ersatz. Wer sie in Betracht zieht, vergleicht sinnvollerweise die konkreten Definitionen, die Anzahl der Fähigkeiten, die Regelungen zu Pflegebedürftigkeit und schweren Krankheiten sowie die Nachversicherungsmöglichkeiten. Auch hier gilt: Die Rente wird nur bis zum vereinbarten Endalter gezahlt, und eine Beitragsbefreiung während des Leistungsbezugs ist nicht selbstverständlich, sondern muss im Bedingungswerk stehen.

Häufige Fragen

Deckt eine Grundfähigkeitsversicherung psychische Erkrankungen ab?

In der Regel nicht. Die Leistung hängt am Verlust definierter Fähigkeiten, und Depressionen oder Angststörungen führen selten zum Verlust einer katalogisierten körperlichen Fähigkeit. Tarife mit geistiger Leistungsfähigkeit meinen damit meist schwere kognitive Einbußen, nicht affektive Störungen.

Worin unterscheidet sie sich von der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung prüft, ob die zuletzt ausgeübte Tätigkeit zu mindestens 50 Prozent nicht mehr möglich ist, unabhängig von der Ursache. Die Grundfähigkeitsversicherung prüft nur, ob eine im Vertrag benannte Fähigkeit verloren ging. Der Beruf spielt dabei keine Rolle — weder zugunsten noch zulasten des Versicherten.

Warum unterscheiden sich die Tarife so stark?

Weil die Leistung an Definitionen hängt, nicht an Überschriften. Wie viele Kilogramm bei "Heben und Tragen" genannt sind oder welche Strecke bei "Gehen" gilt, entscheidet über den Leistungsfall. Ein Vergleich ist deshalb nur über den Bedingungstext möglich, nicht über Fähigkeitenlisten.

Diese Begriffe hängen damit zusammen

Dieser Eintrag erklärt einen Fachbegriff allgemein. Ob und wie er in einem konkreten Vertrag gilt, hängt vom jeweiligen Bedingungswerk ab — eine individuelle Prüfung ersetzt er nicht.